Mittwoch, 07.03.2018   |   Einlass: 19:30 Uhr   |   Beginn: 20:30 Uhr
ZUGEZOGEN MASKULIN
Alle Gegen Alle Live 2018
Tickets im VVK sind via reservix.de und via Eventim.de erhältlich.
07.03.2018 - ZUGEZOGEN MASKULIN

Da ist dieses Land, so kalt und grau. Ein Land, das so vielen eine Heimat sein könnte, doch nur so wenigen eine Heimat sein will und das sich dann immer beklagt, nicht genug ge-liebt zu werden. Da ist dieses Land, zwischen Bergen und Meer, dazwischen „Steine und Draht“, hin und hergerissen von der eigenen Geschichte, so verloren, im Strom der Zeit, weil Länder immer verloren sind und sowieso nur dort existieren, wo das Gehirn sitzt. Zerrissen.Da sind diese Zeiten, so furchterregend und glitzernd, so schrill in ihren Tönen. So irre, dass man es gar nicht aushält und denkt, dass der verrückte Flötenspieler nun endgül-tig alle in seine Gewalt gebracht hätte. Wir sind zersplittert in Atome, auf der Suche nach dem Glück und gegenseitig rennen wir uns über den Haufen, festgestampft von der Party-Crowd, die im Nebel des Vergessens weiter wankt. Nach vorne. Nach oben. Vielleicht bleibt einem in diesen Zei-ten nur noch das kleine Glück. Das Private. Scheiß auf das Kollektiv. Das Kollektiv ist eine Lüge. Und deshalb muss man die Ellenbogen ausfahren und um die besten Plätze kämp-fen … Auf Instagram und Twitter. „Alle gegen Alle“. Und da ist dieses Album, das von alldem erzählt, von dem es eigentlich gar nicht erzählen will, von den Abgründen, in die man blickt, wenn man den Menschen in die Augen schaut und tief unten einen Planeten kreisen sieht, auf dem ein Affe sitzt und in die Dunkelheit über ihm starrt. Von „Uwe & Heiko“, die den Niedergang der Volkswerft nicht verkraftet haben und dem Sprung auf den Oranienplatz, der in der großen Stadt liegt, nicht schaff-ten, wobei man sich gar nicht sicher sein kann, ob man ihn denn auch selbst geschafft hat, weil man die Volkswerft noch immer im Herzen trägt, egal wie weit man springt. Ein Album, das vom verzweifelten Versuch erzählt, das alles in Kunst zu verwandeln, beglei-tet von der Angst, dass es dann aber doch nur für den nächsten Post auf the gram reichen könnte oder für den Soundtrack der nächsten Party, auf der sich die Jungs seit neuestem kleiden wie Hooligans aus dem Ostblock – was ja wiederum auch ganz geil aussieht. „Alle gegen Alle“ von Zugezogen Maskulin ist das stille Statement einer wütenden Band. Auf Beats, die überwiegend von Silkersoft produziert wurden, knüpfen sie nahtlos an ihr Debütalbum „Alles brennt“ an und machen trotzdem alles anders. „Alle gegen Alle“ ist ein krachendes Album einer Band, die sich zurückgezogen hat, in die dunklen Kam-mern der eigenen Vergangenheit und nicht wegschaut, wenn sie an die eigenen Untiefen herantritt, und so entstand, unter der Regie von Markus Ganter, der als Executive Pro-ducer in Erscheinung trat, ein Album wie eine Zugfahrt durch ein Land, in dem man vor Jahren schon einmal gewesen ist. Eine Zugfahrt hinein in die Welt aus Glasfassaden und Beton, zurück auf den Bolzplatz und ins Kinderzimmer zwischen Bong und Hansa-Schal, dorthin ins Moor zwischen reetgedeckten Häusern und dem roten Bonanzarad, wo man früher einmal zuhause war und heute nicht mehr zuhause sein kann, weil man in der Zwischenzeit den Bordstein und die Skyline gesehen hat. Nikolai Potthoff (Ex-Tomte) wiederum liefert mit seinen Synthie-Flächen auf „Steine und Draht“, den Hintergrund für eine Reise in die Psyche einer Nation und wieder zurück, während Kenji 451 bei „Der müde Tod“ ein zeitloses Glockenspiel hervorgezaubert hat, zu dem dich ein jeder Tod fest bei den Händen packen würde, um dich zum Tanzen zu zwingen.